Interview mit Radio Holiday zu den Passivhaus-Tagen

Verfasst von im Mrz 13, 2012 in Allgemein, Blog
Interview mit Radio Holiday zu den Passivhaus-Tagen

Niedrigenergie, Klimahaus, Passivhaus, …. Der Südtiroler Häuslebauer und Sanierer kennt sich ja nicht mehr aus. Wo liegen hier die Unterschiede oder Merkmale?

Alle Begriffe drehen sich um die energiesparende Bauweise. Der Begriff Niedrigenergie ist mit den ersten Gebäuden entstanden, die schon in der Planung und im Bau auf den späteren Energiebedarf Rücksicht genommen haben. Sie sind mit weitaus weniger Energie ausgekommen als die zu jener Zeit üblichen. Sie haben einfach einen niedrigeren Verbrauch, eben Niedrigenergie.
Das Klimahaus ist eine reine Südtiroler Erfindung. Der Begriff Klimahaus ist in den letzten Jahren bei uns entstanden und definiert mit den zugeordneten Buchstaben die verschiedenen Energieklassen der Gebäude. Ein Klimahaus C, B, A oder Gold hat einen maximal vorgegebenen Grenzwert für den Heizwärmebedarf.
Das Passivhaus ist eine internationale Bezeichnung und Definition für Gebäude die einen maximalen Heizwärmebedarf nicht überschreiten. Um die Einstufung oder Zertifizierung Passivhaus zu erhalten, muss ich aber weitere Kriterien erfüllen:
Heizwärmebedarf 15kWh/m²a
Heizlast 10W/m²
Primärenergie 120kWh/m²a
Überhitzungstage weniger als 10% der Nutzungszeit
Luftdichtheitswert n50

Sie sagen also, das Passivhaus ist mit unserem Südtiroler Klimahaus durchaus vergleichbar, auch wenn es andere Kriterien hat. Sind dann unsere besten Klimahäuser auch Passivhäuser?

Dies lässt sich nicht unbedingt definieren. Die Kriterien des Passivhauses sind wie schon erwähnt um einiges strenger angesetzt, als jene des Klimahauses. Zudem decken sich die verschiedenen Berechnungsmethoden leider nicht, das für das Klimahaus eine immer wieder umgestellte Software entwickelt wurde und wird, während es für das Passivhaus weltweit ein übliches Berechnungsprogramm gibt, das eigentlich allen fast frei zugänglich ist. Hier werden lediglich einige klimarelevante Basisdaten in den verschiedenen Ländern ausgetauscht, ansonsten bleibt das Programm dasselbe. Und damit habe ich auch weltweit einen direkten Vergleich unter den Objekten. Dies ist leider mit den Klimahäusern nicht der Fall. U.a. auch deshalb ist ein Klimahaus Gold nicht immer ein Passivhaus, auch wenn dieses genauso mit einem Heizwärmebedarf von unter 15kWh/m²a auskommt.

Wie steht es nun um das Passivhaus in Südtirol, gibt es solche Gebäude?

Ja natürlich gibt es solche Objekte. Die sind auch dokumentiert und z.B. im Internet abrufbar. Wer sich unter www.passiv.de die Datenbanken der verschiedenen Passivhäuser aufruft, findet u.a. auch Objekte aus Südtirol. Das Passivhaus in Südtirol findet immer mehr Anhänger und Freunde, wobei auch die Planer und Handwerker sich immer mehr auf diese Gebäudequalität einstellen und auch einstellen müssen. Es gibt schon EU Richtlinien, die eine solche Bauqualität in nächster Zukunft bei allen Neubauten vorschreiben. Deutsche Großstädte wie Bremen oder Köln haben diesen Baustandart schon heute für ihre öffentlichen Bauten festgelegt. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis sich dies auch bei uns durchsetzt. In Südtirol gibt es auch eine Interessensgemeinschaft Passivhaus, bei der Planer und Projektanten ebenso dabei sind wie Handwerker und Firmen.

Sie haben jetzt in Vintl eine Informationsveranstaltung organisiert, die dem Passivhaus gewidmet ist. Wie sieht diese Tagung aus und wann findet sie statt?

Die Informationsveranstaltung ist eigentlich dem Thema Bauen und Energie gewidmet, und behandelt in verschiedenen Vorträgen u. a. auch das Passivhaus. Am 12. und 13. November gibt es Vorträge, Diskussionen und praktische Vorführungen zu unterschiedlichen Schwerpunkten. Am Freitag erklärt uns Ruben Erlacher die Kriterien und Unterschieden bei klima- und Passivhäusern. Am Samstag gibt es u.a. Vorträge zur Architektur im Zusammenhang mit Energiebewusstsein. Hans Schmieder wird ein Impulsreferat für öffentliche Verwalter halten und deren Verantwortung aufzeigen; Es werden die kontrollierte Wohnraumlüftung und die Luftdichtheit erklärt und auf einer Baustelle praktisch vorgeführt, und es werden auch kleinere Themen wie die Photovoltaik oder die Steuerabschreibung behandelt. Einen ganzen Samstag lang besteht also die Möglichkeit sich viele kostenlose Informationen von Fachleuten zu holen. Zudem werden einige Firmen und Unternehmen ihre Produkte und Arbeiten rund um dieses Thema ausstellen. Die Veranstaltung findet in der Grundschule von Vintl statt. Ein genaues Programm liegt u.a. in vielen Pustertaler Gemeinden und Bauämtern auf oder kann unter www.ig-passivhaus.it bzw. auf der Internetseite der Gemeinde Vintl abgerufen werden.