Bauvorhaben: Wettbewerb Neubau Landhaus
Auftraggeber: Autonome Provinz Bozen Südtirol
Ort: Bozen / Südtirol
Verfasser: Dr. Arch. Martin Stauder

Das neue Gebäude nimmt durch seine relativ große Höhe eine starke Position in seinem urbanen Umfeld ein, bricht allerdings nicht mit der gewachsenen Bauweise der Bozner Stadthäuser indem es deren Lochfassadenstruktur aufnimmt und neu interpretiert. Straßenseitig übernimmt es die Bauflucht der Nachbarshäuser. Das gesamte Volumen ist auf dem zu Verfügung stehenden Bauplatz in einem einzigen Solitär vorgesehen, auch wenn die Maximalbaugrenzen nicht vollständig ausgenutzt wurden.

Das Gebäude ist im Erdgeschoss wie im Bestand an das Nachbarhaus angebaut. Abgesehen von dieser Verbindung handelt es sich aber, wie beim gesamten urbanistischen Kontext dieser Zone, um einen freistehenden Einzelbau. Die Proportionen sind dem gegenüber angesiedelten Landhaus 11 recht ähnlich. Zusammen bilden die Gebäude ein korrespondierendes und kommunizierendes Tor zur Bozner Innenstadt.

Architektonische Qualität

Der Entwurf zielt auf eine klare Positionierung eines neuen Gebäudes im urbanen Umfeld des Stadteingangs. Der einfache, gegliederte Baukörper ist in seinem Aufbau für Besucher wie Passanten gleichermaßen leicht begreifbar. Kein spektakulärer und lauter Glaspalast, sondern ein aus den alten, gewachsenen Strukturen entwickelter und interpretierter Bau, mit Elementen aus dem gewohnten Stadtbild, empfängt den Besucher.

Straßenseitig sind die prägenden Elemente der Fassade die beiden senkrechten Lichtschlitze, welche das Treppenhaus einrahmen, mit natürlicher Belichtung versorgen und gleichzeitig mehrere Geschosse untereinander vertikal verbinden. Dem Besucher wird so eine einfache und direkte vertikale Orientierung von der Eingangshalle bis in die obersten Geschosse des Gebäudes ermöglicht.
Die Begreifbarkeit des Aufbaues hilft bei der Einrichtung des Gebäudeleitsystems. Jede Ebene wird an derselben Position betreten, hat eine annähernd gleiche Struktur, ist für zwei Abteilungen trennbar und hat eine zentrale Erschließungsachse. Diese hat über die vertikalen Lichtschlitze an der Südseite eine natürliche Belichtung, kann aber, durch lichttransparente Glastrennwände von einzelnen Büroeinheiten zusätzlich belichtet werden. Alle Arbeitsplätze sind nach Außen orientiert, natürlich belichtet und untereinander austauschbar.

Funktionalität

Die zentrale Erschließung erlaubt eine effiziente Nutzung der klar strukturierten Grundrisse. Diese ermöglichen einen flexiblen Zusammenschluss der Büroeinheiten. Die Wiederholung der einfachen Erschließungsstruktur in allen Ebenen macht es dem Besucher leicht, sich in den einzelnen Geschossen zurechtzufinden und zu orientieren. Trotzdem wurde im Entwurf darauf geachtet, in jeder Ebene ein leicht verändertes Raumerlebnis zu ermöglichen. Dazu dienen u.a. die Lufträume, die verschiedene Ebenen (soweit auch von den Brandschutzbestimmungen machbar) miteinander verbinden.

Die Grundrisse erfüllen alle Ansprüche des Raumprogrammes, die der Auslober gestellt hat. Die verschiedenen Ämter sind wie folgt zusammengefasst:

1.OG: Amt für Personalaufnahme
2.OG: Pensionsamt
3.OG: Gehaltsamt
4.OG: Abteilungsdirektion und Pensionsamt für Lehrpersonen
5.OG: Dienststelle für Arbeitsschutz und Amt für Kindergartenpersonal
6.OG: Amt für Schulpersonal und Agentur für Kollektivvertragsverhandlungen
7.OG: Gehaltsamt für Lehrpersonal und Amt für Personalentwicklung
8.OG: Amt für Verwaltungspersonal

Des weiteren gibt es noch ein Zusatzangebot von 12 Büroeinheiten á 14m², welche auf verschiedene Geschosse verteilt sind, und so eine evtl. Erweiterung oder Umstrukturierung der Ämter ermöglichen.

Die zentralen Erschließungsflächen dienen u.a. auch als Treffpunkt für Mitarbeiter, als zentrale Infrastrukturstelle für die Kopier- und Druckeinrichtungen, sowie als Warte- und Aufenthaltsfläche für die Besucher. Im 3. Obergeschoss ist in einer gemeinsamen Fläche der geforderte Aufenthaltsbereich für die Mitarbeiter mit einem angeschlossenen Freibereich und Teeküche angesiedelt. Dieser Treffpunkt zur Erholung und Kommunikation ist auch nach außen hin in der Fassade ablesbar.

Bau- und Anlagentechnische Elemente

Das Gebäude präsentiert sich nach außen mit einer wartungsarmen, weißen oder hellgrauen, leicht strukturierten Putzfassade welche Süd-, West- und Nordseitig durch Fensterrücksprünge gegliedert wird. Diese Rücksprünge erlauben es die Fenster, wo vorgeschrieben, in 1,50m Abstand von der Baugrenze zu platzieren. Gleichzeitig ergibt diese Gliederung ein interessantes Licht- Schattenspiel auf der Fassade. Der entstehende Nutzraum unter dem Fenster wird für die Möblierung des Büros oder für den Einbau von haustechnischen Leitungen (z.B. Belüftung) genutzt.

Die nordseitig angesiedelten Fenster im Erdgeschoss sind reine Lichtfenster im Sinne des Zivilgesetzbuches und dienen einzig und allein der natürlichen Belichtung der Räume im Erdgeschoss. Die Fenster, welche die Nottreppe mit natürlichem Licht versorgen, sind gemäß ZGB weiter als 0,75m von der Baugrenze entfernt.

Das Gebäude hat 3 unterirdische Ebenen, die unterste ist auf die Hälfte der Grundrissfläche reduziert. Die insgesamt neun oberirdischen Ebenen bauen auf einer einfachen statischen Struktur auf, die eine wirtschaftliche Realisierung des Gebäudes garantieren.
In energetischer Hinsicht wird das Gebäude als Passivhaus ausgeführt und reduziert somit die Betriebskosten auf ein Minimum. Der kompakte Baukörper unterstützt den Passivhausstandart und die leicht erhöhten Baukosten dafür werden durch die extrem reduzierten Betriebskosten in kurzer Zeit wieder ausgeglichen. Die Fensterrücksprünge an großen Teilen der Fassade sind gleichzeitig konstruktiver Sonnenschutz. Eine zusätzliche Beschattung ist überflüssig. Die Putzfassaden sind wartungsarm und die einfache und klare statische Struktur ermöglicht eine kosteneffiziente Bauweise und Installation haustechnischer Anlagen.

Durch ein Parksystem welches über ein Lift/Leitsystem 13-14 Autos auf zwei Ebenen unterbringt, wird wertvolle Fläche im Erdgeschoss eingespart. Eine in ihrer Breite und Neigung reduzierte Rampe, führt für Rad- bzw. Motorräder ins Untergeschoss. Bei einer Kostenpauschale von 220€/m³ für unterirdische Kubatur und 470€/m³ für oberirdische Kubatur, belaufen sich die Baukosten für das Gebäude auf 9.319.140.-€.